Breites Engagement für Kur- und Heilwälder in Baden-Württemberg
Rückblick auf das Regionale Waldgespräch „Therapieraum Wald“ am 23. Oktober 2026 in Königsfeld im Schwarzwald
Rund 60 Teilnehmende aus Forstpraxis, Wissenschaft, Verwaltung, Gesundheitswesen und Tourismus haben beim Regionalen Waldgespräch „Therapieraum Wald“ in Königsfeld im Schwarzwald diskutiert, wie aus Wald eine anerkannte Gesundheitsressource wird. Zur Veranstaltung eingeladen hatten das MLR, Landesforstverwaltung, Akademie Ländlicher Raum und die FVA Baden-Württemberg in Kooperation mit der Gemeinde Königsfeld, dem Kreisverband Schwarzwald-Baar-Kreis des SDW Landesverbands Baden-Württemberg und dem Landeswaldverband Baden-Württemberg.

Wie Wald und Gesundheit zusammenhängen
Moderator Gregor Lanz führte durch den Nachmittag im Haus des Gastes, das durch die offene Fensterfront einen wunderbaren Blick auf den Königsfelder Kurpark gewährte. Landesforstpräsident Martin Strittmatter eröffnete die Veranstaltung mit einer Ansprache. „Alle Waldfunktionen hängen direkt oder indirekt auch mit menschlicher Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden zusammen“, betonte er. Dass die Verbindung zwischen Naturerleben und Gesundheit in der Gemeinde Königsfeld großgeschrieben wird, bekräftigte Bürgermeister Fritz Link. Als Präsident des Verbandes der Heilbäder und Kurorte Baden-Württemberg treibt er das Thema in doppelter Funktion voran. „Wichtig ist, dass wir verlässliche Angebote schaffen“, sagte Link im Einführungsinterview.


Dem pflichtete Sven Hinterseh, Landrat im Schwarzwald-Baar-Kreis bei. Zwar sei die Verbindung zwischen Wald und Gesundheit bislang kein explizites Thema auf kreispolitischer Ebene. „Der Wald an sich begegnet uns jedoch sehr häufig und in vielen Kontexten“, weshalb die Verknüpfung mit dem Gesundheitsaspekt durchaus interessant sei. Das kann Lothar Gaus aus der Berufspraxis bestätigen – mit Schwarzwald-Vielfalt Gaus bietet der Schramberger geführte Wanderungen und unterschiedliche Formen des Waldbadens in der Region an. „Wir brauchen die Unterstützung der Verwaltung, auch um das Vertrauen der Menschen in unsere Angebote zu stärken,“ mahnte Gaus in der Einführungsrunde.

Eine Auflockerung der Diskussion samt Perspektivwechsel folgte anschließend durch die Impro-Show von Theatersport Tübingen. Während der Einführungsinterviews hatten Felixa Dollinger und Tobias Rockenfells Aussagen rund um Waldstrategie, Forstverwaltung und politischen Willen mitgeschrieben, um sie anschließend in improvisierte Sketch-Szenarien zu integrieren. Die Einladung zur augenzwinkernden Selbstironie wurde vom Publikum mit herzlichem Gelächter dankend angenommen.


Evidenz, Handbuch & Praxisfall
Anschließend ging es mit drei Fachbeiträgen in die Tiefe. Dr. med. Michael Jeitler vom Universitätsklinikum Tübingen erläuterte, welche Evidenz es für die heilende Wirkung des Waldes gibt. Ob nun die frische Luft, körperliche Aktivität, die Farben des Waldes, der Entspannungsfaktor oder eine Mischung aus allem entscheidend sind, sei nicht klar. „Aber dass der Aufenthalt im Wald förderlich für die Gesundheit ist, das ist eindeutig“, sagte Dr. Jeitler. Dominik Menton-Enderlin von der FVA ist Hauptautor des Handbuchs für Kur- und Heilwälder, welches von der Versuchs- und Forschungsanstalt im Juli 2026 veröffentlicht wurde. Als Essenz des Leitfadens fasste er zusammen: „Die unverzichtbaren Bausteine für erfolgreiche Kur- und Heilwälder sind die Vernetzung von Akteuren, das Finden von geeigneten Flächen und das Sichern von Finanzierung und Unterstützung.“

Die Checkliste bereits abgehakt hat Schömberg im Landkreis Calw. Selina Dengler von der Gemeindeverwaltung schilderte, wie es 2024 gelang, den örtlichen Kur- und Heilwald auszuweisen. „Schömberg hat bereits gute Voraussetzungen, ist heilklimatischer Kurort der Premium Class und verfügt über 70 Prozent Waldfläche“, erläuterte Dengler. „Die vielfältige Unterstützung von Akteuren aus der Gemeinde war entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung.“


Nach diesen vielfältigen Einblicken war Zeit für eine Kaffeepause, die die Teilnehmenden neben einer kurzen Stärkung sogleich für angeregte Diskussionen nutzten. Perfektes Ambiente für einen fließenden Übergang in den Infomarkt, bei dem die Teilnehmenden mit Expertinnen und Experten vertieft über einzelne Aspekte diskutieren konnten. Die Hochschule Furtwangen informierte hierbei zu wissenschaftlichen Perspektiven rund um Wald und Gesundheit, während PEFC seine Zertifizierung am Beispiel Heidelbergs vorstellte. Praxisbeispiele rund um die angewandte Waldtherapie gab es unter anderem mit der der angewandten Waldtherapie von Schwarzwald-Vielfalt, den MediClin-Kliniken und dem Heilbäderverband. Auch die Landtagsabgeordnete Martina Braun, Sprecherin für Wald der Grünen-Fraktion, tauschte sich interessiert mit Expertinnen und Experten aus.

Wissen um Kur- und Heilwälder sichern und verstetigen
Reinhold Mayer, Vorstandsvorsitzender im Landeswaldverband und Vertreter des SDW-Verbands Schwarzwald-Baar-Kreis, war einer der Initiatoren der Veranstaltung und freute sich über das rege Interesse. „Ich wünsche mir, dass wir die Impulse des heutigen Tages mitnehmen und ins Doing kommen“, sagte er zum Abschluss der Veranstaltung. Landesforstpräsident Martin Strittmatter stimmte zu: „Wir müssen das bisher aufgebaute Wissen rund um Kur- und Heilwälder sichern und verstetigen. Die Nachfrage ist da, positive Wirkungen sind nachgewiesen. Diesen Prozess müssen wir weiter im Rahmen der Waldstrategie begleiten.“ Auch Bürgermeister Fritz Link betonte: „Ich bin überzeugt davon, dass der Wald ganz entscheidend zur Prävention und Gesundheitsförderung dient. Jeder Cent, jeder Euro hierfür ist gut investiertes Geld.“

Der Wille, den Therapieraum Wald von unterschiedlichen Standpunkten aus weiter voranzutreiben, war bei allen Anwesenden deutlich spürbar. So setzten sich auch die Diskussionen fort, als die Sonne längst hinter den Baumwipfeln rund um den Kurpark versunken war. „Ich hoffe, dass sich noch viele weitere Kommunen in Baden-Württemberg dazu entschließen, Kur- und Heilwälder auszuweisen“, sagte Ulrich Potell, Geschäftsführer im Landeswaldverband. Der Landeswaldverband bedankt sich herzlich bei allen Interessierten für den engagierten Austausch sowie bei allen beteiligten Organisationen für das informative Diskussionsforum.
Weiterführende Informationen:
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA): Handbuch für Kur- und Heilwälder in Baden-Württemberg (PDF-Download)
PEFC Deutschland: Die PEFC-Standards für Erholungswald, Kurwald und Heilwald
Gemeinde Schömberg: Flyer Kur- und Heilwald (PDF)
Schwarzwälder Bote: Wald in Königsfeld – wichtiger Therapieort für die menschliche Gesundheit (Veranstaltungsbericht, 28.10.2026)








