Neuigkeiten | 3. Juli 2026

Verwaltung effizienter machen, Investitionen in den Wald sichern

Im Dialog mit Anna Deparnay-Grunenberg, Landtagsfraktion Grüne

Am 16. Juni 2026 folgte eine Delegation des Landeswaldverbands der Einladung von Anna Deparnay-Grunenberg MdL nach Stuttgart. Die ehemalige Europaabgeordnete zog im März erstmals für die Grünen in den Landtag von Baden-Württemberg ein. Ende Juni wurde sie zudem zur Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft gewählt. Beim Austausch in den Räumlichkeiten der Landtagsfraktion konnten Mitglieder des LWV ihre Erwartungen und Ideen für die Forstpolitik der neuen Legislatur mit Frau Deparnay-Grunenberg austauschen.

Positionspapier des Landeswaldverbands findet Nachhall

Für die Vorstände des Landeswaldverbands gab es zum Einstieg eine erfreuliche Bestätigung der eigenen Arbeit. Laut der Abgeordneten war das Positionspapier zur Landtagswahl in der Entstehung des Koalitionsvertrags eine hilfreiche Orientierung für die Verhandlerinnen und Verhandler. Das Positionspapier „Wälder stärken: Politik für 38 % Baden-Württembergs“ enthält die abgestimmten Positionen der LWV-Mitgliedsvereine, Ergebnisse aus externen Dialogen mit forstlichen Organisationen sowie vielfältigen Stimmen aus der Praxis, gesammelt während dreier Waldpolitischer Freitage. Dass Belange aus der ganzen Bandbreite der Forstbranche auf diese Weise von der Landespolitik gehört werden, freut uns sehr und bestätigt uns in unserer Verbandsarbeit. Zudem schafft der offene Gesprächskanal eine fruchtbare Grundlage, um die forstpolitischen Anliegen im engen Austausch zwischen Politik und Praxis zu gestalten.

Anna Deparnay-Grunenberg bestätigte außerdem, dass die Themen Wald und Wild für ihre Fraktion einen hohen Stellenwert haben. „In Bezug auf Klima- und Umweltschutz müssen wir auch vom Wald aus denken, im Zusammenhang mit Themen wie Wasser, Landwirtschaft und Ernährung“, sagte die Abgeordnete. Diesen Ansatz begrüßt auch der Landeswaldverband, denn eine strikte Abgrenzung der verschiedenen Themenfelder untereinander wird aus unserer Sicht der Tragweite der Herausforderungen nicht gerecht.

Investitionen in den Wald nicht erst nach Katastrophen

Vor dem Hintergrund des Effizienzgesetzes möchte die Grün-Schwarze Landesregierung in allen Ressorts Bürokratie abbauen. Der Landeswaldverband begrüßt den Gedanken, auch im Forst für effizientere Verwaltungsabläufe zu sorgen. Allerdings dürfen darunter nicht die eigentlichen Aufgaben leiden: unsere Wälder aktiv zu managen, um sie auch in Zeiten des sich verschärfenden Klimawandels zu erhalten.

Reinhold Mayer, Vorsitzender im Landeswaldverband und Vertreter des SDW Landesverbands Baden-Württemberg sagte: „Waldnaturschutz und die WVO sind große Herausforderungen, für die der Forst pragmatische Lösungen und nachhaltig die erforderlichen Mittel benötigt.“ Daher mahnte Mayer auch an, dass die nachhaltigen Finanzierungen der Waldstrategie 2050 und der Waldnaturschutzkonzeption 2030 gesichert werden müssen. Auch für die Landesforstverwaltung und ForstBW müssen die notwendigen Mittel bereitgestellt werden, damit die Forstleute in Baden-Württemberg ihre wichtigen Aufgaben erfüllen können.

Häufig führen erst dramatische Einschnitte wie Trockenjahre oder weitreichende Schädlingsbefälle dazu, dass über Notfallprogramme ausreichend Geld fließt. Dietmar Hellmann (BDF Baden-Württemberg) forderte daher ein Umdenken: „Investitionen in den Wald dürfen nicht nur von Katastrophen abhängig sein. Klimawandel und Biodiversitätskrise sind existenzielle Bedrohungen – gegen die müssen wir über den aktiven Waldumbau kontinuierlich gegensteuern. Und dafür braucht es Menschen, die ihn bewirtschaften.“

Markus Wick (IG BAU Baden-Württemberg) pflichtete ihm bei. Für den Staatsforstbetrieb ergänzte der Arbeitnehmervertreter: „Waldnaturschutz ist zu wichtig, um ihn bei ForstBW nur nach Kassenlage machen. Wenn die Kasse leer ist, muss das Geld dafür woanders herkommen.“

Rolf Müller (ÖJV Baden-Württemberg) betreut selbst als Revierförster den Gemeindewald in Wimsheim (Enzkreis). Aus der aktuellen Erfahrung auf der Fläche erinnerte er: „Wir werden Steigerungen in Effekten der Klimafolgen erleben – auch unsere Laubholzbestände sind nicht unbegrenzt gegen diese Folgen gefeit.“

Von der Zukunft aus denken

Dass Baden-Württembergs Wälder trotz aller Schwierigkeiten vergleichsweise gut dastehen, liegt auch an der vorbildlichen Arbeit, die Forstleute über Jahrzehnte leisten konnten. Anstrengungen zur Entbürokratisierung sind nachvollziehbar und werden auch vielfach von Kolleginnen und Kollegen auf der Fläche gefordert. Sie dürfen aber nicht die Handlungsspielräume einschränken, die der sich dynamisch entwickelnde Klimawandel erfordert, mahnten die LWV-Vertretenden.

Geschäftsführer Ulrich Potell führte aus: „Die Reduktion der Bürokratie muss zwar Komplexität mindern, darf aber nicht die Standards senken. Denn hohe Standards haben die Forstwirtschaft in Baden-Württemberg so vorbildhaft gemacht, wie sie heute ist.“ Jedes Jahr ohne Krisenmodus sei ein Jahr der Gestaltung – deshalb sei jetzt der Moment, um wichtige Projekte in Angriff zu nehmen. Dazu gehört für Potell auch, die bestehenden Zieldivergenzen auf politischer Ebene aufzulösen.

Catharina Hehn-Ziegler (Baden-Württembergischer Forstverein) machte konkret, wie die Balance zwischen Reduktion und Handlungsfähigkeit gelingen kann. Sie regte einen Perspektivwechsel an: „Wir müssen aus dem Jahr 2100 auf unsere heutigen Herausforderungen blicken. Was müssen wir wo mit wie vielen Ressourcen tun – und mit welchem Ziel?“ Dafür sei es wichtig, auch bei Lösungsansätzen auf Synergien zu setzen und nicht kleinteilig in Ressorts, Organisationen oder Fachbereichen zu denken.

Austausch zwischen Politik und Praxis bleibt essenziell

Wir bedanken uns herzlich bei Anna Deparnay-Grunenberg für Einladung und die Gelegenheit, die breite Expertise des Landeswaldverbands in die fachpolitischen Erwägungen einbringen zu dürfen. Dass die Abgeordnete eigene Forstexpertise mitbringt und gleichzeitig offen für Impulse ist, stimmt uns im Hinblick auf die neue Legislatur zuversichtlich. Der Landeswaldverband freut sich auf weitere Möglichkeiten zum Fachaustausch.

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