9. Waldgipfel am 30. Januar 2026
Der Landeswaldverband lud alle Waldinteressierten und Waldprofis nach Stuttgart in den Hospitalhof ein. Gemeinsam widmeten wir uns am 30. Januar 2026 beim 9. Waldgipfel der Frage, was der Wald in Baden-Württemberg in der kommenden Legislatur braucht.

Thema: Was braucht der Wald in der nächsten Legislatur?
Wir knüpften an die Ergebnisse unserer Waldpolitischen Freitage an, ließen Expertinnen und Experten zu Wort kommen und luden das Publikum zur aktiven Debatte ein. Im und um den Forst Beschäftigte, Mitarbeitende aus Verwaltung, Forschung und Lehre, Vertreter:innen von Natur- und Umweltverbänden, Lokal- und Kommunalpolitik sowie alle weiteren Waldinteressierten waren herzlich eingeladen. Gemeinsam wollten wir herausarbeiten, welche Weichenstellungen es braucht, um unsere Wälder in den kommenden fünf Jahren entscheidend voranzubringen.
Vor der Landtagswahl 2026 wollten wir ein Forum schaffen, in dem Waldprofis ihre Anliegen an die Landespolitik herantragen und die Waldstrategie 2050 mit Leben füllen. Gleichzeitig erhielten die Abgeordneten des Landtags von Baden-Württemberg wichtige Impulse für Ihre forstpolitische Arbeit und die Gelegenheit, Inhalte der Parteiprogramme mit Bezug zum Wald vorzustellen.
Ablauf: Impulse, Diskussionen & Infomarkt
Nach der Einführung durch den Vorsitzenden des Landeswaldverbands Reinhold Mayer und einer Rede von Forstminister Peter Hauk MdL stiegen wir mit einer Live-Abstimmung direkt in die aktuellen Herausforderungen für Wald und Forst ein. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für Kurzinterviews mit den politischen Vertreterinnen und Vertretern, in denen die Positionen der Parteien zu den Erwartungen aus dem Forst deutlich wurden.
Im Zentrum des Vormittags stand eine Fishbowl-Diskussion mit der Politik: Auf Basis der Ergebnisse der Waldpolitischen Freitage und des Forderungskatalogs des Landeswaldverbands wurden politische Antworten diskutiert und eingeordnet. Nach dem gemeinsamen Mittagessen lud ein Infomarkt alle Teilnehmenden dazu ein, Themen zu vertiefen, Perspektiven zu diskutieren und den Dialog im persönlichen Austausch fortzusetzen.
Programm
| ZEIT | INHALT |
|---|---|
| 10:00 Uhr | Einführung & Begrüßung |
| 10:10 Uhr | Rede von Forstminister Peter Hauk MdL |
| 10:20 Uhr | Stimmungsbild aus dem Publikum mit digitaler Abstimmung |
| 10:30 Uhr | Impuls-Interview zu Herausforderungen mit Reinhold Mayer |
| 10:45 Uhr | Fragen an die Politik: Einstiegsrunde mit den Forstpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen |
| 11:00 Uhr | Fishbowl-Diskussion 1: Modernes Waldmanagement und Waldeigentum |
| 11:30 Uhr | Kaffeepause: Heiß- und Kaltgetränke sowie Buffet mit Gebäck |
| 11:50 Uhr | Fishbowl-Diskussion 2: Wälder im Klimawandel, Waldmanagement & gesellschaftliche Bedürfnisse |
| 12:20 Uhr | Fishbowl-Diskussion 3: Forstberufe, Verwaltung & Organisation |
| 12:50 Uhr | Abschluss & Auswertung der Diskussion |
| 13:00 Uhr | Mittagessen und Netzwerken |
| 15:00 Uhr | Ende der Veranstaltung |
Mitwirkende
- Peter Hauk MdL (CDU), Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
- Reinhold Mayer, Vorsitzender Landeswaldverband Baden-Württemberg e.V.
Forstpoltische Sprecher der Landtagsfraktionen:
- Reinhold Pix MdL, Bündnis 90 / Die Grünen
- Sarah Schweizer MdL, CDU
- Jan-Peter Röderer MdL, SPD
- Klaus Hoher MdL, FDP
Mitgliedsvereine des Landeswaldverbands:
- Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Landesverband Baden-Württemberg e.V.
- Ökologischer Jagdverein Baden-Württemberg e.V. (ÖJV-BW)
- Bund Deutscher Forstleute e.V. (BDF), Landesverband Baden-Württemberg
- Baden-Württembergischer Forstverein e.V. (BWFV)
- Verein für Forstliche Standortskunde und Forstpflanzenzüchtung e.V. (VFS)
- Arbeitsgemeinschaft für naturgemäße Waldwirtschaft Baden-Württemberg (ANW)
- IG BAU Baden-Württemberg
- Forstkammer Baden-Württemberg
Rückblick auf den 9. Waldgipfel
Rund 120 Personen aus Waldpolitik, Forstwirtschaft, forstlicher Forschung, Naturschutz und Gesellschaft kamen am 30. Januar zum 9. Waldgipfel des Landeswaldverbands Baden-Württemberg im Hospitalhof Stuttgart zusammen. Bereits vor Beginn der Veranstaltung waren die Räumlichkeiten gut gefüllt, in der Aula wurde intensiv diskutiert und sich vernetzt.




Publikum setzt Schwerpunkte, Landespolitik bekennt sich
Einen ersten inhaltlichen Impuls setzten die Forderungen des Landeswaldverbands zur Landtagswahl 2026, die in komprimierter Form auf drei Plakaten präsentiert wurden. Alle Teilnehmenden erhielten bei der Anmeldung drei rote Klebepunkte, mit denen sie die aus ihrer Sicht wichtigsten Forderungen markieren konnten. So entstand im Laufe des Vormittags ein aussagekräftiges Stimmungsbild aus dem Publikum, das durch Fachbeiträge und Diskussionen weiter vertieft wurde.
Um 10 Uhr eröffneten Dr. Angela Lüchtrath und Gregor Lanz (DialogDesign) die Veranstaltung im Goes-Saal. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Landeswaldverbands Reinhold Mayer richtete Forstminister Peter Hauk MdL das Wort an die Teilnehmenden. Er bekannte, mit dem Lückenschluss der Nationalparkteile im Schwarzwald inzwischen seinen Frieden gemacht zu haben, betonte jedoch zugleich, dass mehr Prozessschutz allein keine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen sei. Mit Blick auf den Klimawandel stellte Hauk klar: „Wir müssen unsere Wälder aktiv bewirtschaften – das ist essenziell für eine zukunftsorientierte Forstpolitik in Baden-Württemberg.“


Anschließend folgte ein Interview mit Reinhold Mayer, in dem dieser die Bedeutung des Waldes heraushob: „Wald berührt sehr viele Lebensbereiche und hat eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Um seine Bedeutung zu sichern und den unterschiedlichen Ansprüchen an ihn gerecht zu werden, müssen wir vor die Welle kommen. Das bedeutet, strategisch zu handeln – und zu investieren.“
Anschließend begrüßte das Moderationsduo die forstpolitischen Sprecher der demokratischen Landtagsfraktionen auf dem Podium: Reinhold Pix MdL (Grüne), Sarah Schweizer MdL (CDU), Jan-Peter Röderer MdL (SPD) und Klaus Hoher MdL (FDP). In einer lockeren Einstiegsrunde mussten sie sich bei waldbezogenen Entweder-oder-Fragen positionieren – etwa zwischen Betreuung oder Eigeninitiative, Gesetzen oder Anreizen sowie Holzmobilisierung oder Waldnaturschutz. In den grundsätzlichen Entscheidungen zeigten sich viele Gemeinsamkeiten. Unterschiede traten vor allem in den jeweiligen Begründungen zutage.


Fishbowl-Diskussion: Das Publikum setzt Schwerpunkte
Im Anschluss ging die Diskussion in die Tiefe. In drei Fishbowl-Runden mit jeweils einem thematischen Schwerpunkt konnten die Teilnehmenden Fragen direkt an das Podium richten. Flankiert wurden die forstpolitischen Abgeordneten dabei von jeweils zwei Vorständen aus dem Landeswaldverband, die für fachliche Einordnung sorgten und politische Aussagen gezielt hinterfragten.


Thematisch spannten die Diskussionen einen breiten Bogen: von modernem Waldmanagement und Waldeigentum, über Klimawandel und gesellschaftliche Erwartungen bis hin zur Zukunft der Forstberufe und der forstlichen Verwaltung. Entsprechend vielfältig waren auch die Perspektiven im Publikum, was zu einer lebendigen und teils kontroversen Debatte beitrug. Für Jerg Hilt (Forstkammer Baden-Württemberg e.V.) unerlässlich: „Wälder aktiv zu bewirtschaften heißt auch, dass wir in Zeiten des Klimawandels gute Verwendungsmöglichkeiten für unser heimisches Holz finden und fördern müssen.“ Christian Beck (ANW Baden-Württemberg) betonte die Notwendigkeit, den Sinn forstlicher Arbeit für die Gesellschaft begreifbar zu machen. „Dafür brauchen unsere Leute, die durch ihre Arbeit im Wald in der direkten Diskussion mit den Menschen die Kompetenz – und den Rückhalt aus der Politik“, sagte der Leiter der unteren Forstbehörde im Zollernalbkreis.
Besonders aufmerksam verfolgt wurde die Diskussion um eine mögliche Reduzierung forstlicher Aufgaben zur Entlastung der Beschäftigten. Moderator Gregor Lanz fragte gezielt nach: „Welche Aufgaben sollen denn konkret wegfallen?“ Die Antworten blieben uneinheitlich; genannt wurde vor allem die Dokumentation – ein Vorschlag, der bei einigen der Anwesenden auf Skepsis stieß. Trotz unterschiedlicher Herangehensweisen wurden fraktionsübergreifend gemeinsame Linien erkennbar. Frieder Kurtz (VFS) gab jedoch zu bedenken: „Am Ende ist die Finanzpolitik das Nadelöhr, durch das all unsere Ideen gehen müssen, damit sie auch wirklich umgesetzt werden.“


Austausch über das Podium hinaus
Nicht nur durch diesen Punkt blieb auch nach dem Ende der offiziellen Podiumsdiskussion genug Anlass für vertiefende Gespräche. Bereits beim gemeinsamen Mittagessen nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit zum organisations- und fachübergreifenden Austausch. Genau darin liegt eine besondere Stärke des Waldgipfels: Er schafft Raum für einen offenen Dialog jenseits formeller Diskussionsformate.




Parallel dazu verdichtete sich die Verteilung der roten Klebepunkte auf den Forderungen des Landeswaldverbands. Besonders häufig markiert wurden die Sicherung der Zukunftsfähigkeit der forstlichen Berufsbilder sowie die Daseinsvorsorge des Waldes für Klimaschutz und Biodiversität – angesichts der zahlreich anwesenden Vertreter von Landesforstverwaltung und ForstBW wenig überraschend. Auch für die Weiterentwicklung von Holznutzung und Bioökonomie, eine angepasste Jagd sowie die gesetzliche Verankerung der Waldstrategie fand sich breite Zustimmung.

Stimmen zum 9. Waldgipfel
Bis über den offiziellen Schluss um 15 Uhr hinaus setzten sich Gespräche und Diskussionen an den Stehtischen und dem Infostand des Landeswaldverbands fort. Wir haben die Gelegenheit genutzt und Teilnehmende vor Ort nach ihrem persönlichen Eindruck zum 9. Waldgipfel gefragt. Die Antworten haben wir im folgenden Video zusammengefasst:
Darüber hinaus haben auch Pressevertreter und Organisationen ihre Eindrücke veröffentlicht:
- Rückblick der FVA
- Rückblick der Arbeitsgemeinschaft Rohholz
- Instagram-Beitrag vom Bund Deutscher Forstleute Baden-Württemberg
- Kurzvideo von Förster Achim Klausner
- Eindrücke von Anna Deparnay-Grunenberg (Grüne)
Fazit: Wichtige Impulse für die kommende Legislatur
Der 9. Waldgipfel hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig der breite Dialog rund um den Wald ist – gerade angesichts der vielfältigen Ansprüche, die an ihn gestellt werden. Wir danken allen Teilnehmenden für ihre fachlichen Beiträge und die engagierten Diskussionen sowie unseren politischen Gästen aus den Landtagsfraktionen, die sich den Fragen und Anliegen der forstlichen Fachöffentlichkeit gestellt haben.
Mit Blick auf die Landtagswahl 2026 hoffen wir, dass die notwendigen Weichenstellungen für einen zukunftsfähigen Wald in Baden-Württemberg und die nachhaltige Finanzierung der Waldstrategie 2050 Eingang in den Koalitionsvertrag der künftigen Landesregierung finden.


Feedback zur Veranstaltung
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