Auftaktveranstaltung des Landeswaldverbands

Warum Forstleute nicht zuhören und Waldbesucher alles besser wissen

Am 30. November 2020 fand die Auftaktveranstaltung des Landeswaldverbands Baden-Württemberg e.V. (LWV) „Warum Forstleute nicht zuhören und Waldbesucher alles besser wissen“ als Webkonferenz mit ca. 200 Gästen statt. Die Übertragung erfolgte live aus dem Hospitalhof in Stuttgart. Auszüge der Veranstaltung sind nun als Videos zum Nachschauen verfügbar. Die Gäste und das Publikum ermutigten den LWV zu einer offenen Kommunikation und legten allen Waldakteuren nahe, von ihren persönlichen und emotionalen Walderlebnissen zu erzählen.

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Einführung durch den Vorsitzenden des LWV, Dietmar Hellmann

In der Einführung zur Veranstaltung ging der Vorsitzende auf die Struktur und inhaltliche Ausrichtung des Landeswaldverbands ein. Der LWV lädt alle Akteure des Waldes ein, sich an Diskussionen zur Waldentwicklung und bei der Gestaltung der Wälder im Land zu beteiligen.

Forstminister Peter Hauk MdL über wertschätzende Kommunikation

Der Minister erläuterte die Entstehung und den Wert des Landeswaldverbands als Ansprechpartner der Politik für den Wald und als Ort der Diskussion mit den Waldakteuren und der waldliebenden Gesellschaft. Er forderte den Verband auf, einen offenen Diskurs mit allen Beteiligten zu führen.

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Impulsvortrag – 10 Thesen zu moderner Kommunikation in der Forstwirtschaft

In einem halbstündigen Dialog stellten Prof. Dr. Michael Suda und Dr. Roderich von Detten traditionelle Erzählmuster der Forstbranche auf die Probe. In kabarettistischer Manier nahmen sie selbst verschiedene Erzählrollen ein und beschrieben den Wald unter anderem als Ökosystem und als beseelten Organismus.

Podium zur Entwicklung der Kommunikation im Wald

Gregor Lanz moderierte die Podiumsdiskussion „Warum Forstleute nicht zuhören und Waldbesucher alles besser wissen“. Eingeladen waren Dietmar Hellmann und Dr. Odile Bour vom Landeswaldverband, Tine Kiefl als Försterin, Schauspielerin und Waldpädagogin, Raimund Friderichs als Forstbetriebsleiter des Fürsten von Hohenzollern und Prof. Dr. Michael Suda mit dem Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik an der TU München.

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Wie gelingt Kommunikation im Wald?

Die Veranstaltung „Warum Forstleute nicht zuhören und Waldbesucher alles besser wissen“ beschäftigte sich im Kern mit der Frage, wie sich die Kommunikation der Waldakteure entwickeln muss, damit sie ihr Publikum in den Reihen der Waldbesucher finden. Barrieren in der Verständigung entstehen durch Fachbegriffe, unterschiedliche Wahrnehmung und Bewertung derselben Sachverhalte und durch die Kunst, sich in eine andere Person hineinversetzen zu können. Prof. Dr. Michael Suda und Dr. Roderich von Detten stellten sich in ihrem Impulsvideo fünf Fragen, die Waldakteuren als Leitfaden für die eigene Kommunikation dienen können:

  • Wie nutze ich Kommunikation als Hilfsmittel, um Beziehungen einzugehen?
  • Welche Sprache und welchen Wortschatz verwende ich, wenn ich im Wald auf meine Zielgruppe zugehe?
  • Wie wechsle ich die Erzählperspektive vom diffusen „Wir“ einer Berufsgruppe hin zum „Ich“?
  • Welches Bild mache ich mir von der waldliebenden Gesellschaft?
  • Welche Identität gebe ich mir, wenn ich über meinen Beitrag zum Wald rede?

Die Gäste auf dem Podium wurden am Ende der Veranstaltung gebeten, dem Publikum und dem Landeswaldverband Tipps und Wünsche mit auf den Weg zu geben. Es wurde gefragt, was jeder einzelne Waldakteur für eine bessere Kommunikation tun kann und was die Erwartungen an den Landeswaldverband sind.

Was kann jeder professionelle Waldakteur für die Kommunikation tun?

Der Vorsitzende des LWV, Dietmar Hellmann kam zu dem Schluss, dass professionelle Akteure im Wald sich um eine verständliche Sprache bemühen müssen, wenn sie auf die Menschen zugehen. Tine Kiefl ergänzte dazu: „Was jeder von uns tun kann, ist sich zu fragen – warum mache ich diesen Beruf, was ist mir wichtig, welche Geschichten habe ich zu erzählen? Jeder Mensch hat einen anderen Zugang zum Wald und sucht deswegen auch einen individuellen Ansprechpartner. Daher braucht es eine Vielfalt von Experten, die ihre eigene Sprache verwenden und ihren eigenen Zugang zum Wald vermitteln wollen.“

Dem stimmte auch Dr. Odile Bour zu. Es sei wichtig, von sich erzählen und dabei auch auf die persönlichen Konflikte und Fragen einzugehen. Als professioneller Waldakteur müsse man sich regelmäßig fragen, wo die Reibungspunkte und Störungen bei der laufenden Waldpolitik sind und sich auf die Diskussion dazu einlassen. Raimund Friderichs vom Forstbetrieb des Fürsten von Hohenzollern unterstrich, dass ein freundliches Zugehen auf Waldbesucher wichtig sei. Die Zeit für Gespräche müsse sich jeder Förster nehmen. Mit Bildern und Vergleichen zu arbeiten könne dabei die Kommunikation erleichtern. Seiner Meinung nach schlagen auch Biotopschilder und für alle sichtbare Erklärungen im Wald eine Brücke zwischen Waldbewirtschaftern und Waldbesuchern.

Die Schlüsselkompetenz des professionellen Personals im Wald fasste Professor Suda dann am Ende noch einmal zusammen: „Försterinnen und Förster erschaffen die spannendsten und größten Freizeitoberflächen, die es in Deutschland gibt, größer als jede Plakatwand und Werbefläche. Mit dem, was wir schaffen, kommunizieren wir direkt und indirekt.“ Für die Erzählerin im Forstbereich entwarf er einen Idealtyp: „Die Försterin der Zukunft hat die Füße im Ökosystem und versteht die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Waldes, sie hat den Bauch im Bereich der Produktion aber sie entwickelt auch einen Kopf für die Bedürfnisse der Gesellschaft, damit ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Die Geschichten, die sie erzählt, handeln von ihr selbst und von einem gefährdeten Wald, gegen dessen Gefährdung sie, je nach Erzählstil, als Heldin oder Helferin etwas unternommen hat.“

Welche Erwartungen werden an den LWV gestellt?

Zunächst stellte der Landeswaldverband Erwartungen an sich selbst. Dietmar Hellmann war der Meinung, dass der LWV Hilfestellungen für eine moderne Kommunikation innerhalb der Waldbranche geben müsse. Die Arbeit der im Waldakteure solle der Öffentlichkeit zugänglicher gemacht werden. Dr. Odile Bour freute sich über die hohe Resonanz beim Publikum und sagte: „Wir möchten das Format dieser Veranstaltung weiterentwickeln. Eine rege Beteiligung an kommenden Diskussionen ist uns herzlich willkommen!“

Für Tine Kiefl trägt der LWV insgesamt zu einer Vielfalt der Themenbildung und der Diskussionskultur bei. Neue Themen könnten aufgegriffen und entwickelt werden. Etwas verhaltener äußerte sich Raimund Friderichs: „Ich bin gespannt, wie der Verband sich entwickelt. Wir haben schon viele Verbände und brauchen eigentlich nicht noch mehr. Wenn der LWV tatsächlich eine Bündelung und Vereinfachung erreichen könnte, wäre das schon ein großer Gewinn.“

Michael Suda formulierte den Auftrag des Landeswaldverbands zum Schluss in drei Sätzen: „Der LWV sollte aus dem Kreis forstlicher Stimmen heraustreten und sich darum bemühen, den unorganisierten Waldnutzern ein Sprachrohr zu sein. Der Verband kann zum Übersetzer der Bedürfnisse von Waldbesuchern und Waldbewirtschaftern werden. Dann ist er nicht nur Diskussionsplattform, sondern repräsentiert eine Mehrheit der Bevölkerung.“

Weiterführende Informationen

Einen Teil der in der Podiumsdiskussion erwähnten Erkenntnisse zur Beziehung zwischen Wald und Öffentlichkeit finden Sie im Artikel „Der Wald: ein Wohlfühlraum“ unter:

Der Wald: ein Wohlfühlraum – waldwissen.net