Wie Holz aus dem Schwarzwald Beton ersetzt
Der Landeswaldverband zu Besuch im HolzBauWerk Schwarzwald
Die Bemühungen um klimafitte Wälder enden nicht am Waldrand. Um künftige Belastungen einzudämmen, müssen wir den CO₂-Ausstoß in allen Sektoren reduzieren. Eine bedeutende Branche hierfür ist der Bausektor, der in Deutschland, je nach Rechnung, für rund 30 Prozent der CO₂-Emissionen verantwortlich ist. Das HolzBauWerk Schwarzwald setzt hier mit einem zukunftsweisenden Verfahren der Holznutzung für das Bauwesen an. Am 25. Juni 2026 besuchten Mitglieder des Landeswaldverbands die Produktionsstätte in Seewald, um sich vor Ort ein Bild davon zu machen.

CLT aus Seewald: Was Brettsperrholz besonders macht
Der Rohstoff Holz liegt in Seewald wortwörtlich vor der Tür. Über 90 Prozent der Gemarkung der Gemeinde im Nordschwarzwald sind von Waldflächen bedeckt. Nur wenige Meter vom Werkstor entfernt fällt unser Blick auf Weißtannen und Fichten, die das Betriebsgelände umschließen. Hier nimmt uns Vertriebsleiter Tobias Gutekunst in Empfang, der uns an diesem Nachmittag durch das HolzBauWerk führt. Der Betrieb mit seiner 13.000 Quadratmeter großen Fertigungshalle ist ein Gemeinschaftsprojekt der Sägewerke Echtle (Nordrach), Kübler (Haiterbach) und Streit (Hausach). Seit Herbst 2022 betreiben die drei Traditionsunternehmen das Werk, in dem aus regionalem Schnittholz ein moderner Holzwerkstoff entsteht.

„Das Produkt, das wir hier herstellen, ist Brettsperrholz“, erklärt Tobias Gutekunst. International bekannt ist es auch unter dem Namen CLT, kurz für Cross Laminated Timber. Es besteht aus kreuzweise verleimten Brettlagen, die als Massivholztafeln im Bauwesen für Wände, Decken und Dächer verwendet werden. Die Herstellung erfolgt mit niedrigem Energiebedarf, während die fertigen Holzprodukte langfristig CO₂ speichern. Außerdem können sie am Ende ihrer Nutzungsdauer vollständig wiederverwertet werden. „Wir ersetzen damit im Endeffekt Beton, zum Beispiel Stahlbeton“, sagt Gutekunst. „Brettsperrholz ist ein extrem steifes Baustück. Außerdem ist es leichter und schneller verfügbar als Beton.“ Einsatz finden die Holztafeln aus dem HolzBauwerk daher in Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäuser – und sogar in einem Hochhaus mit 30 Stockwerken.



Für Brettsperrholz gibt es derzeit noch keine DIN-Norm, jeder Betrieb muss seine Produkte also selbst zulassen. Die Produktion in der Seewälder Betriebsstätte wird allerdings durch die MPA in Stuttgart fernüberwacht. Außerdem verfügt das Werk über Zertifizierungen von PEFC und HOLZ VON HIER. 95 Prozent des im HolzBauWerk verarbeiteten Holzes stammt aus Deutschland, davon 90 Prozent direkt aus Baden-Württemberg. Entsprechend regional ist auch der Absatz der Produkte, wie der Vertriebsleiter berichtet. „Wir liefern hauptsächlich in den Südwesten Deutschlands, außerdem in die Schweiz und nach Luxemburg. Dabei verkaufen wir direkt an Holzbauer und Zimmerleute.“
Einblick in die Produktion: Industrie 4.0 trifft Holzhandwerk
Nachdem die wichtigsten Fakten verinnerlicht sind, dürfen wir nun endlich die Produktionshalle – die natürlich überwiegend aus Holz errichtet ist – betreten. Damit wir den Erklärungen von Gutekunst trotz Maschinengeräuschen folgen können, bekommen wir einen kleinen Sender mit Kopfhörern, durch die seine Stimme per Headset erklingt. Hochmodern und durchdacht – wie die gesamte Produktionshalle. „Wir arbeiten hier nach dem Prinzip Industrie 4.0, alles ist vernetzt und von jedem gefertigten Stück existiert ein sogenannter digitaler Zwilling“, erklärt Gutekunst durch sein Mikrofron, während im Hintergrund Holzbretter über die Fließbänder rattern.


Viele Mitarbeitende sind vor allem für die Überwachung einzelner Arbeitsschritte der Produktionsstraße zuständig. An verschiedenen Stationen dürfen wir den Profis über die Schulter schauen, die ihrerseits Monitore, Fließbänder und Seilkräne im Blick haben. Während unseres Rundgangs verfolgen wir, wie einzelne Holzlamellen geschliffen und zu Einschichtplatten verklebt werden. Anschließend werden die Platten durch eine hydraulische Flächenpresse zu Brettsperrholz verpresst. Ganz am Ende, bevor die fertigen XXL-Platten zur Auslieferung bereitgestellt werden, legen die Profis noch einmal selbst Hand an. Hier begutachten die Mitarbeitenden die Bauteile, bessern bei Bedarf aus und tragen ein Finish auf.


Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer, zeigt sich angetan von dem Einblick in die Praxis: „Wir haben in Baden-Württemberg eine tolle Landesbauordnung und machen viel, um den Holzbau voranzubringen. Hier wird das in die Realität umgesetzt.“ Ann-Catrin Sachs betont indes den Zusammenhang mit dem Wald der Zukunft: „Interessant zu sehen, wie hier Tanne und vor allem Fichte verarbeitet werden.“ Während die Nadelhölzer im Schwarzwald natürlich erste Wahl sind, blickt die Geschäftsführerin des SDW Landesverbands Baden-Württemberg auch auf die Perspektive für andere Holzarten. Im Zuge des Waldumbaus werden künftig sowohl weitere Nadelbäume als auch Laubbäume gepflanzt, um die Bestände zu durchmischen. „Daher hoffe ich, dass das HolzBauWerk in Zukunft auch mit diesen Hölzern arbeiten kann.“



HolzBauWerk: Ein innovativer Vorzeigebetrieb
Zum Abschluss unseres Besuchs bedankte sich Tobias Gutekunst bei den Vertretenden des Landeswaldverbands: „Danke für Ihren Einsatz für den Wald – denn von dort kommt der Rohstoff, mit dem wir arbeiten.“ Den Dank gab Reinhold Mayer zurück und freute sich über den Einblick in die klimafreundliche Holznutzung. „Wir haben heute einen hochinnovativen Vorzeigebetrieb gesehen, der Holz aus der Region zu exakt passenden Modulen für Häuser verarbeitet“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Landeswaldverbands.








