Waldnaturschutz im Klimawandel: Wie wird aus Wunsch Wirklichkeit?
Einladung zur Onlineveranstaltung am 03.07.26 | 14 bis 17 Uhr

Landeswaldverband und NABU laden gemeinsam zum vierten Waldpolitischen Freitag am 3. Juli 2026 ein. Mit Vertreterinnen und Vertretern aus Naturschutz, Forstwirtschaft, Waldeigentum und Verwaltung wollen wir darüber diskutieren, wie gemeinsam erarbeiteter Waldnaturschutz im Klimawandel gelingen kann.
Leitfrage: Wie werden aus Impulsen gemeinsame Lösungen?
Die Ziele sind klar: Biodiversität erhalten, Lebensräume entwickeln, Wälder an den Klimawandel anpassen. Doch viele gute Ideen treffen auf komplexe Rahmenbedingungen, Zielkonflikte und begrenzte Ressourcen. Gleichzeitig fehlen oftmals die Räume, in denen Naturschutz, Waldeigentum, Forstpraxis und Verwaltung frühzeitig miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsame Lösungen entwickeln können.
Uns beschäftigen folgende Fragen:
- Wie gelingt die Umsetzung von Waldnaturschutzzielen im Klimawandel?
- Welche Herausforderungen ergeben sich aus Waldnaturschutzkonzeption 2030, Natura 2000 und weiteren politischen Vorgaben?
- Wie gehen Naturschutz, Waldeigentum und Forstpraxis mit Zielkonflikten um?
- Welche Erfahrungen und Lösungsansätze gibt es bereits aus Beratung und Praxis?
- Mit welchen gemeinsamen Strategien bringen wir Waldnaturschutz auf die Fläche?
Ablauf: Impulse, Austausch & Vernetzung
Zum Einstieg geben Expertinnen und Experten aus Naturschutz, Forstpraxis und Beratung durch Impulsvorträge einen Überblick über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und erfolgreiche Ansätze im Waldnaturschutz. In einer offenen Austauschrunde und anschließend in zufällig zusammengesetzten Kleingruppen kommen danach Menschen miteinander ins Gespräch, die im Alltag oft aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Wald blicken. So entstehen neue Verbindungen zwischen Ideen und Umsetzung. In der Schlussrunde werden zentrale Erkenntnisse der Veranstaltung gebündelt und gemeinsam diskutiert, welche Impulse sich daraus für Praxis, Verbände, Verwaltung und Politik ergeben.
Mitwirkende: Impulse & Fazit
Einführung
- Martin Strittmatter, Landesforstpräsident
Impulse aus der Praxis
- Markus Röhling, Bundesamt für Naturschutz
- Dr. Axel Buschmann, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt
- Laura Rempel, Landratsamt Karlsruhe
- Jürgen Sistermans-Wehmeyer, ForstBW
- Franz-Josef Risse, Vorsitzender ANW Baden-Württemberg
- Jerg Hilt, Geschäftsführer Forstkammer Baden-Württemberg
- Johannes Enssle, Landesvorsitzender NABU Baden-Württemberg
Schlussrunde
- Jürgen Sistermans-Wehmeyer
- Martin Strittmatter
- Jerg Hilt
- Johannes Enssle
Termin & Ort: So nehmen Sie teil
📅 Termin: Freitag, 03. Juli 2026, 14:00–17:00 Uhr
📍 Ort: Die Teilnahme erfolgt online per Videokonferenz über Webex.
👥 Zielgruppe: Ehren- und hauptamtlicher Naturschutz, Forstleute und alle im Wald Beschäftigten, privater und öffentlicher Waldbesitz, forstliche Verwaltungsangestellte und weitere Interessierte.
🎤 Moderation: DialogDesign GbR Hummel Lüchtrath Meder.
Rückblick auf den 4. Waldpolitischen Freitag
Der 4. Waldpolitische Freitag brachte am 3. Juli 2026 Forstleute, Verwaltungsvertreterinnen und -vertreter sowie Ehrenamtliche aus dem Naturschutz an einen virtuellen Tisch. Landesforstpräsident Martin Strittmatter eröffnete die Veranstaltung mit einem klaren Bekenntnis: “Ich freue mich auf ein starkes Bündnis, um das Thema Waldnaturschutz nach vorne zu bringen – im Sinne eines klimawandelangepassten und naturschutzkräftigen Waldes.”
Berichte aus der Praxis: Beratung, Netzwerke, Verlässlichkeit
Markus Röhling (BfN) referierte über die Waldlebensraumtypen im Klimawandel. Dass Fragen zum Waldnaturschutz aktuell Konjunktur haben, wurde gleich zu Beginn deutlich: Für Röhling war es innerhalb eines Monats bereits die dritte Veranstaltung zum Thema.
Axel Buschmann (FVA) berichtete über Erfahrungen von Forstbetrieben in Natura 2000-Gebieten: „Beratung und aktive Einbindung der Waldbesitzenden in Naturschutzkonzepte sind Schlüssel zum Erfolg.“
Laura Rempel, Waldnaturschutzbeauftragte im Landkreis Karlsruhe, ergänzte aus eigener Perspektive: „Jedes Forstamt braucht eine Person für die Waldnaturschutzberatung – als zentralen Ansprechpartner und Brückenbauer zwischen den Akteuren.“
Jürgen Sistermans-Wehmeyer (ForstBW) weiß aus eigener Erfahrung, wie entscheidend ausreichende Personalstärke und freier Flächenzugang für gelingende Waldnaturschutzarbeit sind. Sein Wunsch: dass auch der private und kommunale Wald von solchen Voraussetzungen profitieren können.
Franz-Josef Risse (ANW) warb für einen ganzheitlichen Blick: In der naturnahen Waldwirtschaft findet Naturschutz auf der gesamten Fläche statt. Das zahle sich nicht nur ökologisch, sondern auch betriebswirtschaftlich aus.
Jerg Hilt (Forstkammer) schilderte eine Erfahrung vieler privater Waldbesitzender: “Gute Naturschutzleistungen werden oft nicht honoriert, sondern führen zu betriebswirtschaftlichen Einschränkungen.” Daher stellte er eine grundsätzliche Frage: „Was machen wir, wenn Naturschutz erfolgreich umgesetzt wurde, aber weiterhin strenge Vorgaben gelten?“
Johannes Enssle vom NABU sah Vorgaben, wie die EU-Wiederherstellungsverordnung, dagegen als Chance: “Forstleute können damit sichtbar machen, dass sie Hüterinnen und Hüter des Waldes sind – und gesellschaftliche und politische Unterstützung brauchen.” Zugleich richtete er einen eindringlichen Appell an die Forstpartie, nicht nur über den Wald im Klimawandel zu sprechen, sondern über den Klimawandel als gesellschaftliche Herausforderung insgesamt. „Ich wünsche mir für das Thema Klimaschutz nicht nur Kinder und Jugendliche auf der Straße, sondern Försterinnen und Förster – denn sie wissen genau, wie der Klimawandel sich auf den Wald auswirkt“, sagte er.
Schlussrunde: Einigkeit in den Zielen, Ehrlichkeit bei den Mitteln
In den anschließenden Diskussionsformaten kristallisierte sich heraus, welche Entwicklungen sich die Teilnehmenden aus unterschiedlichen Organisationen wünschen: Einerseits Dialogbereitschaft und Vernetzung zwischen Forst, Naturschutz und Waldbesitzenden. Andererseits gemeinsame Zielsetzungen und Rückendeckung für diese auf Landesebene.
Martin Strittmatter formulierte eine zentrale Erkenntnis aus den vorangegangenen Impulsen und Diskussionen: In den Zielen sind sich alle einig – was fehlt, sind die Ressourcen. Umso wichtiger sei es, dass Verwaltung, Verbände, Waldbesitz und Naturschutz gemeinsam eine starke Allianz bilden und diese in die Politik tragen.
Jerg Hilt analysierte: „Je mehr Naturschutz verrechtlicht wird, desto mehr wird er zur Sache von Juristen – und nicht mehr von Förstern und Naturschützern.“ Eine Entwicklung, die nachdenklich mache. Funktionierender Waldnaturschutz sollte laut Hilt stattdessen die nötige Flexibilität im Vorgehen bewahren.
Johannes Enssle stellte indes fest: „Viele Forstleute haben ihren Beruf ergriffen, um mit Wald zu tun zu haben. Und haben dann festgestellt, dass man vor allem mit Menschen zu tun hat.“ Deshalb hob er hervor, wie wichtig Waldnaturschutzberatende als Vermittler sind. Ein Schulterschluss mit dem Naturschutz, könne zudem helfen, Akzeptanz für forstliche Maßnahmen zu gewinnen.
Jürgen Sistermans berichtete aus eigener Erfahrung, dass die Zusammenarbeit verschiedener Organisationen im Waldnaturschutz Vorlauf und die richtigen Rahmenbedingungen benötigt. Aber der Weg lohne sich: „Gemeinsame Projekte umsetzen, Verständnis für die Gegenseite erwerben – der tägliche Austausch ist befruchtend.“
Der LWV-Vorsitzende Reinhold Mayer fasste den Nachmittag zusammen: „Die heutigen Dialog waren konstruktiv, auf Augenhöhe – und jede und jeder Teilnehmende kann etwas für mehr Kooperation tun. Sein Plädoyer: „Integrativ zu denken bringt uns weiter als segregativ zu denken.“
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für ihre Perspektiven und die geteilte Bereitschaft, Brücken für einen engagierten Naturschutz zu bauen. Wir sind gespannt auf künftige Projekte mit Beteiligung von Forst, Waldbesitz, Naturschutz und Verwaltung. Und wir freuen uns jederzeit über Erfahrungsberichte, die an uns geschickt werden.
KONTAKT:
Landeswaldverband: info@lwv-bw.de | NABU Baden-Württemberg: NABU@NABU-BW.de
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