Forderungen

Jagd und Waldumbau müssen Hand in Hand gehen

Zur Umsetzung der umfangreichen Anpassungen unserer Wälder an den Klimawandel müssen jagdliche und waldbauliche Zielsetzungen in Einklang gebracht werden. Das gelingt nur mit Hilfe einer angepassten Bejagung von Rehwild auf Basis der verbesserten Kommunikation zwischen Waldeigentümern und Jägern. Klimaresiliente Mischwälder müssen grundsätzlich ohne Schutzmaßnahmen aufwachsen können! Die Jagdgenossenschaften müssen wieder in die Lage versetzt werden, die Verantwortung für die Jagdausübung auf ihrem Grund und Boden zu übernehmen und in ihrer Funktion gestärkt werden.

Klimaresiliente Mischwälder müssen ohne Schutzmaßnahmen aufwachsen können

Hauptziel ist eine naturnahe Waldentwicklung, bei der ohne Schutzmaßnahmen für junge Bäume agiert werden kann. Dieses Ziel ist derzeit in vielen Regionen nicht erreichbar, denn zu hohe, nicht an den Lebensraum angepasste Rehwildbestände haben einen großen negativen Einfluss auf den jungen Wald. Sie müssen durch Jagd entsprechend der Tragfähigkeit ihres Lebensraums reguliert werden. Rehe ernähren sich bevorzugt von den für einen naturnahen und klimastabilen Mischwald wichtigen Baumarten, wie Eiche oder Weißtanne und tragen somit zu einer Entmischung in dessen Startphase bei. Mischbestände müssen grundsätzlich ohne Schutzmaßnahmen, wie Einzelschutz oder Zäunung, über die Gründung hinaus in ihrer Zusammensetzung erhalten bleiben! Die alleinige Wildschadensersatzpflicht für „Hauptholzarten“ im §55 Abs. 2 des JWMG greift daher zu kurz.

Dialog zwischen Jägerschaft und Waldeigentümern weiterentwickeln

Der Landeswaldverband wirkt selbst beim Runden Tisch Waldumbau und Jagd darauf hin, dass Jagdausübungsberechtigte und Waldeigentümer den persönlichen Austausch suchen und wirbt für gegenseitiges Verständnis. Die Herstellung einer angepassten Wildtierpopulation ist die Grundvoraussetzung für das Gelingen aller Maßnahmen des naturnahen Waldbaus. Alle weiteren Maßnahmen, wie Lebensraumverbesserung oder Ruhezonen können erst dann eine positive Wirkung entfalten, wenn angepasste Wildtierpopulationen vorhanden sind. Zur Schaffung von Transparenz und zur Entwicklung angepasster Jagdstrategien sind regelmäßige gemeinsame Flächenbegehungen von Eigentümern und Jägern, das Forstliche Gutachten oder die Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan (RoBA) geeignete Werkzeuge.

Stärkung der Jagdgenossenschaften

Die Grundbesitzer (Jagdgenossen) müssen wieder darin bestärkt und unterstützt werden, die Verantwortung für die Jagdausübung auf ihrem Grund und Boden zu übernehmen. Die Eigenverwaltung von Jagdgenossenschaften ist ein wichtiger Schritt hin zu einem gleichberechtigten Austausch zwischen Grundbesitzern und Jagdausübungsberechtigten und muss zukünftig stärker gefördert werden. Die Chance auf klimastabile Wälder steht und fällt mit der angepassten Bejagung. Die Basis dafür ist eine zielgerichtete Kommunikation zwischen Jagdausübungsberechtigten und Eigentümern.

Weiterführende Informationen

Spannungsfeld Forst – Jagd: Wildschäden im Wald klärt über Verständigungsprobleme zwischen Wald- und Wildbewirtschaftern auf und zeigt die Potenziale einer zielgerichteten Zusammenarbeit.

Das Forstliche Gutachten als Instrument für die Schätzung der waldbaulichen Verjüngungsfläche, der Verbissintensität und der waldbauliche Zielerreichung, getrennt nach Hauptbaumarten. Auf dieser Basis kann eine dreijährige Abschussplanung erfolgen.

Die Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan (RobA) ermöglicht den direkten Austausch zwischen Waldeigentümern und Jagdausübungsberechtigten, so dass sie ohne behördlichen Verwaltungsakt zu einer gemeinsamen Abschussplanung gelangen.